End-of-Life: Gute Versorgungsstrukturen mindern das Risiko für belastende Hospitalisationen

Die hohe Lebenserwartung gründet auf dem Erfolg moderner Medizin. Doch über die Lebensqualität im letzten Lebensabschnitt ist bislang zu wenig bekannt. Helsana-Gesundheitswissenschaften widmeten sich in zwei Studien medizinischen Leistungen am Lebensende – Hospitalisationen und ihren Folgen und Kosten im Besonderen. Die Analysen zeigen: Gute Versorgungsstrukturen reduzieren belastende Hospitalisationen.

Medizinische Leistungen am Lebensende und ihre Kosten stossen in der Öffentlichkeit (und Fachwelt) auf reges Interesse. In der Schweiz wird bereits vieles unternommen, damit ältere und chronisch kranke Personen – wunschgemäss – länger zu Hause bleiben können. Dies birgt allerdings ein erhöhtes Risiko für Hospitalisationen am Lebensende. Gleichzeitig geht mit den Verlegungen ein Unterbruch in der Pflegebetreuung einher, was zu einem (potentiellen) Informationsverlust und letztlich zu höheren Gesundheitskosten führt, wie ausländische Studien zeigen. In der Schweiz ist die Datenlage eher spärlich. Helsana befasst sich seit längerem mit End-of-Life-Fragestellungen. Die publizierten Studien basieren auf anonymisierten Helsana-Versichertendaten. Die wichtigsten Erkenntnisse in Kürze:

Sterbeort wirkt sich massiv auf die Kosten aus

Bei der ersten Studie lag der Fokus auf der Inanspruchnahme von medizinischen Leistungen und den Gesundheitskosten in Abhängigkeit vom Sterbeort.1 Die 2013 publizierte Studie zeigte: In den Jahren 2007-2011 starben rund 38% der Verstorbenen im Spital, 35% im Pflegeheim und 27% Zuhause. Bei Patientinnen und Patienten, die im Spital starben, fielen die Gesundheitskosten der letzten sechs Monate doppelt so hoch aus im Vergleich zu denjenigen von Patientinnen und Patienten, welche Zuhause verstarben (CHF 23‘190 versus CHF 11‘190).

Hospitalisationen bei Pflegeheimbewohnerinnen und -bewohnern seltener

Die zweite Studie, welche 2016 publiziert wurde, untersuchte die Verlegungen am Lebensende.2 Von den 11’310 in die Analyse eingeschlossenen Verstobenen wurden im Jahre 2014 nahezu 65% in den letzten sechs Monaten mindestens einmal verlegt (Skala 1-21 Verlegungen). Im Schnitt erfuhren die Patientinnen und Patienten drei Verlegungen, wobei die Zahl mit zunehmenden Alter abnahm und bei Frauen tiefer lag. Eine mögliche Erklärung dafür: Frauen verbringen die letzten Lebensmonate tendenziell häufiger als Männer im Pflegeheim. Während die Hälfte aller Transfers von Zuhause ins Spital führten, fanden Hospitalisationen bei Pflegeheimbewohnerinnen und -bewohnern viel seltener statt: nur 14% der Verlegungen führten vom Pflegeheim ins Spital. Knapp 13% der Verstorbenen mussten eine belastende Verlegung erfahren – dies ist der Fall, wenn jemand entweder mindestens dreimal innerhalb der letzten 90 Tage oder mindestens einmal in den letzten drei Tagen vor dem Tod hospitalisiert wird. Die Daten zeigten zudem, dass 95% der Schweizerinnen und Schweizer in den letzten sechs Monaten vor dem Tod mindestens einmal einen Arzt konsultierten.

Spitex und Spitaleinzugsgebiete als entscheidende Prädikatoren

Die Schweiz verfügt noch über kein flächendeckendes Angebot an spezialisierter Palliativversorgung, geschweige denn eine einheitliche Finanzierung. Vor diesem Hintergrund erstaunt es nicht, dass die bisherigen Analysen grosse regionale Unterschiede zu Tage förderten. Sowohl die Anzahl des Spitex-Personals pro 1‘000 Einwohner als auch die Spitaleinzugsgebiete (HSA, Hospital Service Areas) waren entscheidende Prädiktoren bei der Inanspruchnahme medizinischer Leistungen. So lag die Zahl der Verlegungen in Regionen mit mehr Spitex-Personal tiefer.

Dank verbesserter Versorgungsstrukturen und einem frühzeitigen Dialog – vorzugsweise mit dem Hausarzt – über die Präferenzen am Lebensende, liessen sich gemäss internationalen Studien regionale Differenzen reduzieren.

Mehr Transparenz für eine bessere Versorgung

Zurzeit sind weitere Studien in Arbeit: Zusätzlich zu den bisherigen Parametern wird die Intensität der Behandlung am Lebensende berücksichtigt. Die Analysen basieren auf über 10‘000 Helsana-Versicherten, welche 2014 verstorben sind, sowie auf den vom Bundesamt für Statistik zur Verfügung gestellten Daten zu den Todesursachen. Einerseits wird die Behandlungsintensität bei Krebspatientinnen und -patienten in Abhängigkeit vom Alter und von weiteren soziodemographischen und regionalen Faktoren untersucht. Andererseits werden intensive Behandlungen am Lebensende in Abhängigkeit von der Todesursache analysiert.

Das Ziel der Untersuchungen ist es, in der Schweiz mehr Transparenz zu schaffen in Bezug auf die Kosten und die Behandlungsintensität am Lebensende. Regionale Differenzen liefern wichtige Hinweise für eine mögliche Über- und Unterversorgung. Internationale Studien, insbesondere aus Kanada, Grossbritannien und Belgien, zeigen: Mobile-Palliative-Care-Teams oder Spitex-Angebote vermögen die Anzahl der Hospitalisationen am Lebensende zu reduzieren. Im Idealfall sind diese Angebote in ein umfassendes End-of-Life-Care-Konzept eingebettet. Der Kommunikation und Interdisziplinarität kommt dabei ein hoher Stellenwert zu.

Quellen

  1. Reich O, Signorell A, Busato A (2013). Place of death and health care utilization for people in the last 6 months of life in Switzerland: a retrospective analysis using administrative data. BMC health services research. 2013; 13:116. doi: 10.1186/1472-6963-13-116.

  2. Bähler C, Signorell A, Reich O (2016). Health Care Utilisation and Transitions between Health Care Settings in the Last 6 Months of Life in Switzerland. PLoS ONE 11(9): e0160932. doi:10.1371/journal.pone.0160932.

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